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NOZ, 23 01. 2017

Kammermusik für Flöte und Streicher“
Ensemble St. Petersburg spielt Werke von Mozart

von Jan Kampmeier

Bad Iburg. Das Ensemble St. Petersburg präsentierte im Iburger Rittersaal Werke von Mozart, Schnittke, Tschaikowskij und Borodin.

Von Mozart ist bekannt, dass er die Flöte nicht sonderlich schätzte. Dennoch steht ausgerechnet er im Mittelpunkt des Konzerts in Bad Iburg, bei dem das Ensemble St. Petersburg in der Besetzung mit Flöte, Violine, Viola und Cello auftritt. Hört man die drei Flötenquartette aus Mozarts Feder, die da auf dem Programm stehen, dann kann man sich seine angebliche Abneigung gegen das Instrument gar nicht vorstellen.

Es sind zwar unbekannte Werke, aber eben doch echter Mozart, und Durchschnittliches zu schreiben war der ja gar nicht fähig. Da ist etwa das Quartett D-Dur KV 285. Die Flöte „singt“ im Adagio eine wunderbare Kantilene, die drei Streicher begleiten den ganzen Satz ausschließlich mit Pizzicato, schließlich geht es nahtlos über in ein munteres Schlussrondo. Das fragmentarische Quartett C-Dur KV 285b enthält einen wunderbaren Variationensatz, der immerhin leidlich bekannt ist, denn Mozart verwendete ihn auch in seinem größten Bläserwerk, der „Gran Partita“.

Dass ausgerechnet Mozart im Zentrum ihres Programms steht ist allerdings kein Zufall, denn die Besetzung mit Flöte und drei Streichern hat sich eben nie etabliert, es gibt wenig originale Werke. So füllt das Quartett das Programm denn auch mit Bearbeitungen auf. Alfred Schnittkes Suite im alten Stil ist eigentlich für Violine und Klavier geschrieben, klingt jedoch auch in dieser Fassung sehr hübsch. In ihrer schlichten melodischen Schönheit ist sie ein ungewöhnliches für das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts, und man muss schon genauer hinschauen, um zu bemerken, wo Schnittke den „alten Stil“ dezent aufbricht.

Die beiden wohl berühmtesten russischen Streichquartettsätze zumindest des 19. Jahrhunderts hat sich das Ensemble ebenfalls vorgeknöpft, einer von Tschaikowskij, einer von Borodin, und auch darin ersetzt der überaus weiche und runde Klang der Flöte die erste Violine sehr überzeugend.

Das Ensemble St. Petersburg klingt überhaupt weich und warm, die jungen Musiker spielen nicht nur Mozart sehr leicht und in vollendeter Ausgewogenheit der Stimmen. Sie verwirklichen dabei gar nicht unbedingt das momentan moderne Ideal: Musiziert wird sehr fein und dezent, verglichen mit dem Biss, den viele Ensembles gerade aus der Ecke der historischen Aufführungspraxis zunehmend an den Tag legen. Die schiere, makellos funkelnde Schönheit des Klanges auf modernen Instrumenten, ohne Ecken und Kanten und mit unangefochtener Führung des Primarius, kultivierten besonders Streichquartette eher vor einigen Jahrzehnten. So könnte man sich denn über dem Klang des Ensembles durchaus das leise Knistern einer alten Vinyl-Platte vorstellen.