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NOZ,26s 06. 2017

WERKE DES 20. JAHRHUNDERTS
Trio Serenade beendet Saison der Iburger Schlosskonzerte

von Jan Kampmeier

Bad Iburg. Das junge Trio Serenade beendete die Saison der Iburger Schlosskonzerte mit prachtvollen Klängen und Werken des 20. Jahrhunderts.

Sie beginnt überaus zart, doch schnell blüht die „Melodie“ prachtvoll auf. Der Komponist Myroslav Skoryk ist Jahrgang 1938, doch sein Werk könnte üppiger, schwelgerischer kaum sein. Vielleicht, weil es aus einem Film stammt, wie die Pianistin Violina Petrychenko erklärt. Es gibt ihr sowie ihren Mitstreitern Kateryna Kostiuk an der Geige und Vitalii Nekhorochev an der Klarinette jedenfalls reichlich Gelegenheit, die klanglichen Möglichkeiten ihres Ensembles zu zeigen.

Das „Trio Serenade“ hat für das Konzert in Bad Iburg ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts mitgebracht, und doch ist das Programm vollkommen frei von den harmonischen und dissonanten Untiefen der Avantgarde. Überraschend warm wirkt der Klang in einer Suite von Darius Milhaud, die dem Programm den Titel „Der Reisende ohne Gepäck“ gab, denn so heißt ein Schauspiel, für das die Musik ursprünglich entstand. Die drei Musiker interpretieren eher „klassisch“ maßvoll, eine Spur frecher hätte es vielleicht sein können.

Vor der Pause steht mit Aram Khatschaturjans Trio noch der Kracher schlechthin für ihre Besetzung auf dem Programm. Den Reiz gewinnt das Werk durch den ausgeprägt orientalischen Tonfall der armenischen Heimat des Komponisten, durch die Verbindung von sehnsüchtigen Klängen mit spielerischer Virtuosität, durch interessante Klangwirkungen. All das glänzt und funkelt beim Trio Serenade.

Nach der Pause ist ein Trio von Gian Carlo Menotti hervorzuheben, und die Musiker nutzen die Möglichkeiten, die sich ihnen da bieten. So gestalten sie eine ausgesprochen expressive Romanze und ein brillantes Finale.

Das Konzert ist der Schlusspunkt der diesjährigen Saison auf dem Iburger Schloss, außerdem das letzte unter der alleinigen Regie des Vereins Iburger Schlosskonzerte und des künstlerischen Leiters Peter Doderer, der das Amt vor fünf Jahren von Harry Jahns übernahm, dem Gründer der Reihe. Die Iburger Schlosskonzerte sind die älteste und derzeit auch die größte Kammermusikreihe im Osnabrücker Land. Mit während der Saison monatlich einem Konzert kommt die Reihe in nunmehr 42 Jahren auf stolze 385Konzerte. Häufig sind junge Ensembles zu hören, zu denen auch das Trio Serenade gehört, doch zuweilen schmücken auch sehr bekannte Namen die Programme, wie in dieser Saison etwa die Cellistin Maria Kliegel oder in den vergangenen Jahren der Pianist Markus Becker oder das Signum Quartett. Streichquartette finden sich überhaupt auffallend häufig in den Konzertprogrammen. Mit dem Rittersaal der Iburg haben die Schlosskonzerte sicher eine Spielstätte mit ganz besonderer Atmosphäre.

Erfreulich für das Publikum inklusive Kritiker ist jedoch vor allem: Die Iburger Schlosskonzerte geben so gut wie nie Anlass für schlechte Kritiken, das Niveau ist seit Jahren beachtlich hoch. Dennoch hatten auch die Iburger Schlosskonzerte in letzter Zeit sinkende Besucherzahlen zu beklagen. Weil gleichzeitig die Kosten stiegen und der Verein gezwungen war, seine Rücklagen aufzuzehren, soll in Zusammenarbeit mit dem Verein nun Timo Maschmann als neuer Veranstalter gegensteuern. „Wir wollen nicht viel anders machen, aber das hohe Niveau halten“, sagt der vor der Zugabe, die sicher ganz in seinem Sinne ist: Das Stück von Francis Poulenc heißt „Einladung ins Schloss“.