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NOZ, 10 04. 2017

Konzert mit dem Nodelman Quartett
Maria Kliegel und Schubert in Iburg

von Jan Kampmeier

Das Nodelman Quartett und Maria Kliegel haben sich in Bad Iburg neben Werken von Haydn und Ravel Franz Schuberts großes Streichquintett vorgenommen.

Osnabrück. Ein Streichquartett von Haydn, lebhaft, dabei aber gelassen, ganz natürlich und in gut balanciertem, runden Ensembleklang des Nodelman Quartetts vorgetragen, die vielseitige Sonate für Violine und Cello, forsch und entschlossen gespielt – das wäre schon Grund genug, von einem gelungenen Konzert im Iburger Rittersaal zu sprechen.

Stilistischer Kontrast

Der Humor kommt in beiden Werken nicht zu kurz, jedoch auf ganz unterschiedliche Art, wie überhaupt der stilistische Kontrast zwischen Haydns freundlich verspieltem „Sonnenaufgangsquartett“ B-Dur op. 76/4 und Ravels Sonate natürlich denkbar groß ist. Die nämlich ist ein verrücktes Stück Musik, in dem die Interpreten witzige Pizzicatostellen im zweiten Satz noch unterstreichen durch die Wucht, mit der Akzente gesetzt werden, um kurz darauf die getragenen Melodien im langsamen Satz expressiv auszukosten, während die Ecksätze in durchaus schroffem Tonfall gespielt werden.

Der eigentliche Höhepunkt in diesem ausverkauften Iburger Schlosskonzert war dennoch fraglos das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert. Erstens erhielt das Nodelman Quartett darin ausgesprochen prominente Unterstützung durch Maria Kliegel, eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Cellisten, und zweitens wird Schuberts großes Quintett von vielen Hörern besonders geliebt und macht auch in Bad Iburg gehörigen Eindruck. Das hat seinen Grund, denn das Spätwerk, sofern man das bei einem 30-jährigen Komponisten denn so nennen darf, ist ja auch tatsächlich geprägt von großer Tiefe, dabei aber voller eingängiger Melodien, bei denen man schon aufpassen muss, um bei der Beschreibung nicht mit Adjektiven wie „himmlisch“ ins Schwärmen zu geraten. Besonders das große Adagio ist in dieser Hinsicht ein echter Ausnahmefall.

Sowohl die sanglich-melodische als auch die immer wieder durchbrechende dramatischere Seite dieses ausgedehnten Werkes wird von den Interpreten wunderbar umgesetzt. Wohl spielt Misha Nodelman zuweilen etwas lauter, als es nötig gewesen wäre, um seine Führungsrolle zu behaupten, und der Klang des Quartett-Cellisten Mark Mefsut unterscheidet sich ziemlich stark von dem Maria Kliegels. So wird der einheitliche Gesamtklang, der zuvor etwa bei Haydn und besonders bei langsamen Akkordbewegungen zu bestaunen war und vor allem das Adagio zu einem echten Genuss machten, bei Schubert denn auch nicht ganz erreicht.

Üppiger Klang

Aber man muss sich daran nicht stören, wenn auf der anderen Seite beseelte Kantilenen dafür entschädigen. Die Intensität dieser Melodien erfährt zudem einen Ausgleich: Nachdem besonders die ersten beiden Sätze sich bei den Zuhörern mit ihren melodischen Qualitäten einschmeicheln konnten, ohne das schon hier dramatische Bestandteile fehlten, kommt das Scherzo geradezu ruppig daher, zumindest aber mit großem, üppigen Klang, der sich wie immer im Rittersaal perfekt entfalten kann.